Natürliches Licht in der Architektur: Effektive Planung und Gestaltung

In den letzten Jahren ist Natürliches Licht in der Architektur zunehmend in den Fokus gerückt, da es als entscheidender Faktor für die Lebensqualität in Innenräumen gilt. In diesem Artikel werden Empfehlungen zur Architekturplanung gegeben, um den Erhalt und die Nutzung natürlichen Lichts zu optimieren. Dabei werden sowohl die physikalischen Messgrößen wie Lux und der Tageslichtquotient als auch praktische Gestaltungstipps zur Verbesserung der Lichtverhältnisse in Innenräumen erläutert.

 
Architekturplanung für künstliches Licht

Effekte des natürlichen Licht

Natürliches Licht in der Architektur ist ein unverzichtbarer Bestandteil einer gelungenen Raumgestaltung, denn die richtige Menge an Tageslicht kann nicht nur die Stimmung verbessern, sondern auch den Schlaf und die Konzentration fördern. Im Folgenden werden einige der wichtigsten Effekte natürlichen Lichts auf Körper und Geist erläutert, die die Bedeutung einer gezielten Tageslichtplanung in der Architektur unterstreichen.

  1. Verbessertes Wohlbefinden und Stimmung

Natürliches Licht fördert die Produktion von Serotonin, einem Hormon, das die Stimmung hebt und Stress reduziert. Menschen fühlen sich oft glücklicher und energiegeladener in Räumen mit viel Tageslicht.

  1. Bessere Schlafqualität

Natürliches Licht reguliert den circadianen Rhythmus (die innere Uhr) und hilft dem Körper, den Tag-Nacht-Rhythmus zu verstehen. Dadurch wird die Melatoninproduktion in der Nacht verbessert, was zu einem besseren Schlaf führt.

  1. Höhere Konzentration und Produktivität

Studien zeigen, dass Menschen in hellen, tageslichtdurchfluteten Räumen oft produktiver und konzentrierter arbeiten können, was sowohl im Homeoffice als auch bei Kindern im Lernumfeld hilfreich ist.

  1. Vitamin-D-Produktion

Natürliches Licht ist eine wichtige Quelle für Vitamin D, das für die Knochengesundheit, das Immunsystem und die allgemeine Gesundheit von großer Bedeutung ist.

  1. Reduzierte Augenbelastung

Natürliches Licht ist für die Augen weniger anstrengend als künstliche Beleuchtung und kann das Risiko von Kopfschmerzen oder Augenermüdung, die häufig bei Bildschirmarbeit auftreten, verringern.

  1. Förderung der mentalen Gesundheit

Menschen, die mehr Tageslicht ausgesetzt sind, haben ein geringeres Risiko für Depressionen, insbesondere in den Wintermonaten, da das Tageslicht hilft, saisonale affektive Störungen (Winterdepressionen) zu mildern.

Wie viel Licht bekommen wir? Was bedeutet Lux?

Ein Luxmeter misst die Beleuchtungsstärke in Lux (lx). Lux ist die Einheit der Beleuchtungsstärke in der Physik und beschreibt, wie viel Lichtstrom auf eine bestimmte Fläche trifft. Die Beleuchtungsstärke gibt also an, wie hell eine Fläche durch eine Lichtquelle beleuchtet wird.

Lux (lx) = Lumen / m2

Die Einheit Lux (lx) ergibt sich aus dem Lichtstrom (in Lumen) pro Quadratmeter.

Lumen gibt an, wie viel sichtbares Licht eine Lichtquelle pro Sekunde in alle Richtungen abstrahlt. Das bedeutet, Lumen misst die gesamte Menge an Lichtenergie, die von einer Quelle ausgeht, und bezieht sich dabei auf die für das menschliche Auge wahrnehmbare Helligkeit. 

In Bezug auf die Definition ist 1 Lumen genau eine Lichtquelle mit der Lichtstärke von 1 Candela (cd) in einem Raumwinkel von 1 Steradiant (sr) abstrahlt.

Candela entspricht dabei der Lichtstärke, die von einer Quelle mit einer spezifischen Intensität von Licht in einem definierten Wellenlängenbereich (555 Nanometer, dem Punkt maximaler Helligkeitsempfindlichkeit des menschlichen Auges) ausgesendet wird. 

Ein Steradiant ist definiert als der Raumwinkel, unter dem man eine Fläche von einem Quadratmeter auf der Oberfläche einer Kugel mit einem Radius von einem Meter sieht. Anschaulich bedeutet das, dass ein Steradiant genau das Volumen beschreibt, das man sieht, wenn man von einem Punkt aus auf einen 1-m²-Bereich auf der Oberfläche einer Kugel von 1 m Radius blickt.

Dabei werden Messungen in verschiedenen Räumen und zu unterschiedlichen Tageszeiten durchgeführt. Als Richtwert gelten für Wohnräume etwa 300 lx und für Arbeitsräume mindestens 500 lx als ausreichend (ein sonniger Tag hat draußen etwa 100.000 Lux. Bei Kerzenlicht sind es etwa 10 Lux.) Es ist wichtig zu betonen, dass diese Werte allgemeine Empfehlungen sind. Der optimale Lux-Wert kann je nach individuellen Bedürfnissen und Vorlieben variieren, sowie auch von der Art des verwendeten Lichts (direktes vs. diffuses Licht) und der Raumgeometrie (Fenstergröße, Raumtiefe) abhängen.

Wenn die Luxmessung bei ausgeschaltetem künstlichen Licht gemessen wird, kann sie eine initiale Grundlage zur Bewertung sein, um zu sehen, wie die Situation in Bezug auf den Erhalt des künstlichen Lichts ist.

  • Unzureichendes natürliches Licht (Werte unter 100 Lux): Dies deutet darauf hin, dass das natürliche Licht in dem Raum zu gering ist. Räume, die weniger als 100 Lux erhalten, sind in der Regel schlecht beleuchtet und benötigen wahrscheinlich zusätzliche künstliche Beleuchtung, um ein angenehmes und produktives Umfeld zu schaffen. Dies könnte in Innenräumen ohne Fenster oder in den hinteren Bereichen eines Gebäudes der Fall sein.
  • Ausreichendes natürliches Licht (Werte zwischen 100 und 300 Lux): Diese Werte deuten darauf hin, dass das natürliche Licht im Raum ausreicht, aber möglicherweise nur in den Tagesstunden und je nach Wetterbedingungen. Für allgemeine Wohnräume ist dies meist ausreichend, aber es könnte in den Wintermonaten oder bei bewölktem Himmel an manchen Tagen an der Grenze der Angemessenheit liegen.
  • Gutes natürliches Licht in der Architektur (awerte zwischen 300 und 500 Lux): Diese Werte gelten als gut für die meisten Wohnräume. Hier kann das natürliche Licht die meisten Aktivitäten unterstützen, ohne dass zusätzliche Beleuchtung erforderlich ist. Räume mit dieser Menge an natürlichem Licht sind meist gesundheitsfördernd und schaffen eine angenehme Atmosphäre.
  • Übermäßiges natürliches Licht in der Architektur (Werte über 1000 Lux): Solche Werte deuten darauf hin, dass der Raum sehr viel direktes Sonnenlicht empfängt. Dies könnte zu Blendung, Überhitzung und einer unangenehmen Atmosphäre führen. Für Arbeitsräume oder andere Aktivitäten, die visuelle Präzision erfordern, könnte dies zu Problemen führen. Solche Räume benötigen möglicherweise Maßnahmen zur Regulierung des Lichteinfalls, z.B. durch Jalousien oder Fensterabdeckungen.

Der Tageslichtquotient: bekommen wir genug natürliches Licht in der Architektur?

Die Lux-Messung zeigt lediglich, wie viel Licht an einem bestimmten Punkt im Raum vorhanden ist, aber sie berücksichtigt nicht die Verteilung des Lichts im Raum oder die Qualität des Lichts. Um diese zu bewerten, sollte zusätzlich der Tageslichtquotient (DF) berechnet werden.

Der Tageslichtquotient (DF)-Messung (englisch Daylight Factor, DF) ist eine spezifische Methode, um zu bewerten, wie viel natürliches Licht im Raum im Verhältnis zum verfügbaren natürlichen Licht draußen vorhanden ist. Das bedeutet, dass diese Messung auf den Prozentsatz des natürlichen Lichts abzielt, das in einem Raum tatsächlich erreicht wird, im Vergleich zur maximal möglichen Lichtmenge, die durch Fenstergröße, Ausrichtung und den Abstand zum Fenster beeinflusst wird.

Also der Tageslichtquotient drückt das Verhältnis zwischen der Beleuchtungsstärke im Innenraum (E_innen) und der Außenbeleuchtung bei bewölktem Himmel (E_außen) als Prozentwert aus. Ein Wert von 2 % bedeutet also, dass im Innenraum 2 % der Außenbeleuchtungsstärke erreicht werden.

Der Tageslichtquotient (DF) kann tatsächlich dazu beitragen, die Effizienz der Architekturplanung in Bezug auf die natürliche Beleuchtung zu bewerten. Er gibt an, wie gut ein Raum mit natürlichem Licht versorgt wird, was ein wichtiger Faktor unter anderem für die Energieeffizienz und den Komfort der Nutzer ist. Ein hoher DF-Wert bedeutet, dass das natürliche Licht gut in den Raum gelangt, was zu einer besseren Nutzung von Tageslicht und einer geringeren Notwendigkeit für künstliche Beleuchtung führt.

Wenn der Tageslichtquotient in der Architekturplanung berücksichtigt wird, kann dies aufzeigen, ob die Raumgestaltung und Fensterplatzierung effizient sind, um das natürliche Licht optimal zu nutzen. Ein niedriger DF-Wert könnte darauf hinweisen, dass die Architekturplanung möglicherweise nicht ausreichend auf die Maximierung der natürlichen Beleuchtung ausgerichtet ist und somit mehr künstliche Beleuchtung erforderlich wäre, was nicht nur die Energieeffizienz beeinträchtigen, sondern auch den Komfort der Bewohner verringern könnte.

Architekturplanung für eine bessere natürliche Beleuchtung

Die Architekturplanung kann eine entscheidende Rolle für den besseren Erhalt des natürlichen Lichts spielen. Durch gezielte Planung von Fenstergröße, -platzierung und -ausrichtung sowie die Wahl heller Oberflächen und höherer Decken kann der Tageslichteinfall optimiert werden. Auch der Einsatz von Oberlichtern und Lichthöhlen trägt zur Verbesserung der Lichtverhältnisse bei.

■ Fenstergröße und -fläche

Es wird empfohlen, dass Fenster etwa 15-20 % der Grundfläche eines Raums ausmachen. Größere Fensterflächen ermöglichen mehr Tageslicht, was zu einer besseren Beleuchtung führt. Beispielsweise könnte ein Raum von 20 m² mit Fenstern von etwa 3-4 m² Fläche ausreichend natürliches Licht erhalten, wenn er richtig ausgerichtet ist.

■ Fensterplatzierung und Ausrichtung

Räume, die nach Süden ausgerichtet sind, erhalten das meiste natürliche Licht, besonders in den Wintermonaten. In Mitteleuropa kann ein Raum nach Süden mit Fenstern eine Tageslichtverfügbarkeit von 3-4 Mal höher haben als ein Raum nach Norden. Eine Fensterfläche von 2-3 m² in einem südlich ausgerichteten Raum kann tagsüber ausreichend Licht liefern, während der gleiche Raum nach Norden mehr Fensterfläche (z.B. 4-5 m²) benötigen würde, um vergleichbare Lichtverhältnisse zu erzielen.

■ Sonnenstands- und Verschattungsanalyse

Eine der effektivsten Methoden, um den natürlichen Lichteinfall zu optimieren, ist die Analyse des Sonnenstands und der Verschattung. Mithilfe von Software wie SunCalc oder Ecotect können Architekten simulieren, wie sich das Sonnenlicht während des Jahres in das Gebäude bewegt und wie sich die Fensterflächen unter verschiedenen Bedingungen verschatten. Dies ermöglicht eine präzise Planung von Fenstern, Jalousien, Markisen oder anderen Verschattungselementen, die den Lichteinfall und die Energieeffizienz optimieren

■ Deckenhöhe und Lichtverteilung

Räume mit einer Deckenhöhe von 2,5 bis 3 Metern ermöglichen eine bessere Lichtverteilung und verhindern dunkle Ecken. Bei niedrigeren Deckenhöhen (z.B. unter 2,5 m) könnte der Raum weniger von natürlichem Licht profitieren, da die Lichtstrahlen nicht so gut verteilt werden können.

■ Reflexion von Oberflächen

Helle Wände und Decken (z.B. weiße Farbe oder helle neutrale Töne) reflektieren 80-90 % des Lichts, während dunklere Farben nur 20-40 % reflektieren. Die Wahl der Wandfarbe hat also einen direkten Einfluss darauf, wie viel von dem natürlichen Licht im Raum verteilt wird. Helle Oberflächen können die Lichtmenge um bis zu 30-50 % steigern.

■ Verwendung von Oberlichtern und Lichthöhlen

Oberlichter und Lichthöhlen können den natürlichen Lichteinfall in Räume erhöhen, die ansonsten schlecht beleuchtet sind. Ein Dachfenster mit einer Fläche von etwa 1 m² kann den Tageslichteinfall in einem Raum von 10-15 m² signifikant steigern. Bei einer Lichthöhle (z.B. mit einem Durchmesser von 1-2 Metern) kann der Tageslichtquotient sogar auf über 5 % steigen, was in ansonsten fensterlosen Räumen zu einer erheblichen Verbesserung führt.

Simulieren und Analyse des natürlichen Licht

Das KernMoment, ein Architekturbüro in Dresden , nutzt fortschrittliche 3D-Modelle und Lichtsimulationen, um eine präzise Planung von Fenstern, Raumgeometrie und Oberflächenreflexionen vorzunehmen. So wird das natürliche Licht nicht nur als ästhetisches, sondern auch als funktionales Element in der Architektur berücksichtigt. Das Ergebnis ist eine bessere Energieeffizienz, eine höhere Lebensqualität der Bewohner und eine ganzheitliche Nutzung natürlicher Ressourcen.

Als Architektur studio , das sich auf die Synergie zwischen Architektur, Ingenieurwesen und digitalen Technologien spezialisiert hat, wird im KernMoment unter anderem der Einsatz von virtuelle Realität (VR) zur Visualisierung und Analyse natürlicher Lichtverhältnisse genutzt, um den Entwurf von Gebäuden zu optimieren. Durch VR können Architekten und Kunden das Raumgefühl in Bezug auf Licht und Atmosphäre in einer immersiven Umgebung erleben. Diese Technologien ermöglichen es, das Verhalten des natürlichen Lichts in einem Raum zu simulieren und zu optimieren, bevor der eigentliche Bau beginnt.

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