DE EN

Erstgespräch vereinbaren

Kernmoment · Insights · Artikel

KI in der Architektur: Was die Kammerumfrage 2025 zeigt

Artikel · 26. Oktober 2026

KI in der Architektur ist im Alltag vieler Büros angekommen – aber vor allem beim Schreiben, kaum in der Projektarbeit. Das zeigt die berufspolitische Befragung 2025 der Bundesarchitektenkammer mit über 15.000 Teilnehmenden. Wir fassen die wichtigsten Zahlen zusammen, ordnen sie ein und leiten fünf Grundsätze für den Einstieg ab.

Die Zahlen: Wer KI im Architekturbüro nutzt

Knapp ein Drittel der Kammermitglieder arbeitet bereits mit KI: 29 Prozent nutzen KI-basierte Werkzeuge täglich, 71 Prozent noch nicht. Größere Büros sind weiter – ab 25 Beschäftigten nutzt mehr als die Hälfte der Inhaberinnen und Inhaber KI. Auch das Alter spielt eine Rolle: 44 Prozent der unter 40-Jährigen arbeiten mit KI, bei den über 60-Jährigen sind es 17 Prozent.

Ein Blick nach Großbritannien: Laut RIBA AI Report 2025 nutzen dort 59 Prozent der Büros KI, nach 41 Prozent im Vorjahr. Eins zu eins vergleichen lassen sich die Werte nicht, weil die RIBA Büros befragt hat und die Bundesarchitektenkammer einzelne Mitglieder. Die Tendenz ist dennoch eindeutig: Hierzulande steht die Entwicklung noch am Anfang.

Wofür KI in der Architektur heute genutzt wird

Der klare Schwerpunkt liegt auf Texten: 58 Prozent der Nutzenden setzen KI sehr oft oder oft für Protokolle, Öffentlichkeitsarbeit und ähnliche Texte ein. Mit Abstand folgen Fragen zu Verträgen und Honoraren (knapp ein Drittel) und Dokumentation (etwa ein Viertel). Baurechtliche Prüfungen, Visualisierungen und Informationsmaterial des Büros nennt jeweils rund ein Fünftel, Termin- und Kostenplanung nur 13 Prozent.

KI wird also dort genutzt, wo sie ohne Vorarbeit funktioniert: im allgemeinen Chatfenster, für einzelne Texte. Die eigentliche Projektarbeit entlang der HOAI-Leistungsphasen erreicht sie bislang kaum.

Woran es hakt

Fast alle, die KI einsetzen, stoßen auf Hürden – 90 Prozent berichten von Schwierigkeiten. Am häufigsten genannt werden:

  • fehlende verlässliche und vollständige Datengrundlagen (54 Prozent)
  • fehlende Erfahrung mit KI-Werkzeugen (52 Prozent)
  • fehlende Kompatibilität mit der vorhandenen Software (41 Prozent)

Welche Risiken die Befragten sehen

Risiken sehen 95 Prozent der Befragten. Ganz vorne: dass erzeugte Ergebnisse ungeprüft übernommen werden (71 Prozent). Rund die Hälfte sorgt sich außerdem um Abhängigkeit von Softwarefirmen, offene Rechtsfragen einschließlich Datenschutz sowie Datenmissbrauch und Datensicherheit.

Der Wunsch nach Wissen ist groß: 77 Prozent möchten sich zu KI fortbilden, unter den Nutzenden sogar 91 Prozent. Das Problem liegt also weniger in der Technik als im Einstieg – Daten, Software und Erfahrung greifen noch nicht ineinander, und die Sorge vor falschen Ergebnissen ist begründet.

Grundsatz 1: Bei einer Aufgabe anfangen, nicht bei einem Werkzeug

Am Anfang steht nicht die Wahl eines Werkzeugs, sondern eine Frage: Welche Aufgabe in welcher Leistungsphase kostet uns die meiste Routine? Das kann die Grundstücksrecherche in LPH 1 sein, der Flächenabgleich mit dem Raumprogramm in LPH 3, die Vollständigkeit der Bauvorlagen in LPH 4, der Preisspiegel in LPH 6 und 7 oder das Bautagebuch in LPH 8. Eine so klar umrissene Aufgabe lässt sich an einem laufenden Projekt erproben.

Grundsatz 2: Die eigenen Daten zuerst ordnen

Fehlende Datengrundlagen sind das meistgenannte Hindernis. KI arbeitet nur mit dem, was sie findet – Planlisten, Raumbücher, Protokolle, Vorlagen, Bürostandards. Ordnet ein Büro diese Unterlagen einmal so, dass sie auffindbar sind, profitiert es doppelt, auch unabhängig von KI.

Grundsatz 3: Prüfschritte statt offener Fragen

Ungeprüfte Ergebnisse verhindert man nicht mit geschickteren Fragen im Chatfenster, sondern mit einer anderen Arbeitsweise. Die Aufgabe wird in Prüfschritte nach HOAI, DIN-Normen und Landesbauordnung zerlegt, jedes Ergebnis nennt seine Quelle, und bei kritischen Fragen werden mehrere Modelle verglichen. Entwurf, Entscheidung und Verantwortung liegen weiter beim Büro.

Grundsatz 4: KI dort einsetzen, wo das Büro arbeitet

Solange KI in einem eigenen Fenster läuft, bleibt sie eine Insel. Wirklich nützlich wird sie erst, wenn sie an CAD-Export, AVA, Projektablage und Vorlagen angebunden ist – mit den Zugängen und Rollen, die die IT des Büros vorgibt.

Grundsatz 5: Das Team befähigen – und die Pflicht dazu kennen

Zum Fortbildungswunsch kommt eine Pflicht, die viele nicht kennen: Seit dem 2. Februar 2025 müssen Unternehmen, die KI-Systeme beruflich einsetzen, nach Artikel 4 der europäischen KI-Verordnung nach besten Kräften für ausreichende KI-Kompetenz ihres Personals sorgen. Das gilt auch für Architekturbüros mit KI-Werkzeugen im Projektalltag. Ein bestimmtes Format ist nicht vorgeschrieben; bewährt haben sich klare Regeln im Büro: welche Daten in welches Werkzeug dürfen, wie Ergebnisse geprüft werden und wer sie freigibt.

Der Datenschutz gehört an den Anfang

Pläne, Verträge und Projektakten der Bauherrschaft sind vertraulich und enthalten häufig personenbezogene Daten. Deshalb gehört vor jedes neue KI-Werkzeug die Klärung: Wo werden die Daten verarbeitet? Nutzt der Anbieter sie zum Training seiner Modelle? Liegt ein Vertrag zur Auftragsverarbeitung nach Artikel 28 DSGVO vor? Nur so kann ein Büro gegenüber der Bauherrschaft zu seinem Wort stehen.

Stand Oktober 2026. Keine Rechtsberatung.

Fazit

Die Umfrage zeichnet ein Berufsfeld, das KI vorsichtig erprobt, ihre Grenzen kennt und mehr darüber lernen will – eine gute Ausgangslage. Der nächste Schritt ist deshalb nicht das nächste Werkzeug, sondern die erste gut gewählte Aufgabe: an einem laufenden Projekt, mit geordneten Daten, mit Prüfschritten und verbunden mit der Software des Büros.

Kernmoment bringt KI entlang der Leistungsphasen in Architekturbüros, ergänzend zu Team und IT des Büros.

Häufige Fragen

Wie viele Architektinnen und Architekten nutzen KI?

In der berufspolitischen Befragung 2025 der Bundesarchitektenkammer gaben 29 Prozent der Kammermitglieder an, KI-basierte Werkzeuge in ihrer täglichen Arbeit einzusetzen. In Büros mit 25 und mehr Beschäftigten nutzt mehr als die Hälfte der Inhaberinnen und Inhaber KI.

Wofür wird KI in Architekturbüros am häufigsten genutzt?

Vor allem für Texte: 58 Prozent der KI-Nutzenden setzen sie sehr oft oder oft für Texte wie Protokolle und Öffentlichkeitsarbeit ein. Für Termin- und Kostenplanung sind es 13 Prozent.

Müssen Architekturbüros ihr Team zu KI schulen?

Seit dem 2. Februar 2025 verlangt Artikel 4 der KI-Verordnung, dass Unternehmen, die KI-Systeme beruflich einsetzen, nach besten Kräften für ausreichende KI-Kompetenz ihres Personals sorgen. Ein bestimmtes Format schreibt die Verordnung nicht vor. Stand Oktober 2026, keine Rechtsberatung.

Womit sollte ein Architekturbüro beim Einstieg in KI anfangen?

Mit einer klar umrissenen Aufgabe in einer Leistungsphase, die viel Routine bindet – zum Beispiel der Abgleich der Flächen mit dem Raumprogramm oder die Vollständigkeit der Bauvorlagen –, geprüft an einem laufenden Projekt.

Quellen

Alle Insights

Fragen zu diesem Thema?

Schreiben Sie uns – wir melden uns mit einer Antwort für Ihr Büro.

Erstgespräch vereinbaren